In diesem Beitrag habe ich ja schon unsere Traditionen an Heiligabend verraten: aber das sind natürlich noch nicht alle Weihnachtstraditionen, die wir haben! Eine meiner liebsten Weihnachtstraditionen ist die Tierweihnacht im Wald. Entstanden ist sie aus einer Situation heraus, die wahrscheinlich viele Eltern kennen: es ist der erste Weihnachtsfeiertag und sofern man (wie wir) keine familiären Verpflichtungen hat, bleiben erst einmal alle stundenlang im Schlafanzug und beschäftigen sich mit ihren Weihnachtsgeschenken. Und, versteht mich nicht falsch, ich liebe das! In meiner Herkunftsfamilie war der erste Weihnachtstag grundsätzlich Schlafanzugtag und ich finde das wunderbar. Aber dennoch hat mich jahrelang gestört, daß der Weihnachtsgedanke an diesem Tag ein wenig zu kurz kommt: dabei IST das doch Weihnachten! An Heiligabend gehen wir in die Kirche und beschäftigen uns mit der Krippe und am zweiten Weihnachtsfeiertag führen die Kinder in unserer Gemeinde traditionell das Christgeburtspiel auf: und der erste Weihnachtsfeiertag soll ein ganz normaler Schlafanzugtag sein? Das fand ich ein bißchen traurig: und deshalb habe ich vor vielen Jahren, noch in unserem alten Dorf, die Tierweihnacht im Wald eingeführt. Der Gedanke dabei war folgender: an Heiligabend bekommen die Kinder jede Menge Geschenke. Wäre es nicht schön, diese Weihnachtsfreude am ersten Weihnachtstag zu teilen und den Tieren im Wald Geschenke zu bringen?

Ganz nebenbei ist das natürlich eine tolle Motivation, die geliebte Bande aus ihren Schlafanzügen und an die frische Luft zu bekommen! Und das war eigentlich auch alles, was mich dazu gebracht hat, diese Weihnachtstradition bei uns einzuführen. Aber oh, wieviel schöner hat sich diese Tradition in den vergangenen Jahren entwickelt! Schon im Herbst fangen wir an, für die Tierweihnacht im Wald „Geschenke“ zu sammeln: und je nachdem, was es in dem Jahr zu ernten gibt, fallen die Gaben auch immer anders aus. Mal bleiben bei der Maisernte ungewöhnlich viele Maiskolben stehen, mal trägt unser Walnußbaum mehr Nüsse als wir verarbeiten können, mal ist es unser Apfelbaum, mal fällt die Kastanienernte ungewöhnlich reich aus: jetzt denken wir immer gleich daran, welche Tiere im Wald sich wohl sehr über diese Gaben freuen werden! So beginnt diese Freude des Gebens schon im Herbst: und unser Gabenkorb füllt sich jedes Jahr auf ’s Neue mit den unterschiedlichsten Schätzen.

Um dem Ganzen einen festlichen Rahmen zu geben, haben wir sogar schon alten Weihnachtsschmuck in die Bäume gehängt: dieser muß  aber unbedingt wieder abgehängt werden! Wir wollen ja weder den Wald beschmutzen, noch den Förster verärgern: dieser Punkt ist übrigens sehr wichtig, da Wildfütterung in Deutschland grundsätzlich verboten ist und sogar mit Bußgeldern geahndet werden kann! Das macht in vielen Fällen auch Sinn, da es dem Tierwohl dient: viele Menschen füttern ungeeignetes Futter, das den Tieren eventuell nicht bekommt. Aus diesem Grunde füttern wir (eine Ausnahme bildet da das Vogelfutter: aber das hängen wir in die Bäume, damit andere Tiere nicht davon essen) nur Sachen, die die Waldtiere in unserer Gegend sowieso finden können: wir wollen ja eine Freude bereiten und niemandem schaden. Wir haben das große Glück, unseren Revierleiter persönlich zu kennen: wir sind also vor einer Geldstrafe sicher. Aber bitte erkundigt Euch vorsichtshalber in Eurem Forstrevier, ob das einmalige Füttern an Weihnachten in Ordnung ist.

Wir ziehen also seit einigen Jahren immer am ersten Weihnachtsfeiertag in den Wald, schmücken einen Baum, hängen Vogelfutter in dessen Zweige und legen unsere Futtergaben in die Futterkrippe nebenan.

Und da es bei trockener Witterung nichts Schöneres gibt als draußen Tee zu trinken und Plätzchen zu essen, verlegen wir manchmal sogar die weihnachtliche Teestunde in den Wald!

Glaubt mir: da wünscht sich keiner mehr in seinen Schlafanzug und in’s Haus zurück!

Auch an andere zu denken, ob an Tiere oder Menschen, ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Erziehungsaufgaben von Eltern in unserer Zeit: viel zu viel Egoismus herrscht in dieser Welt. Dabei stehen wir als Menschheitsfamilie vor solch großen Aufgaben, um diesen Planeten auch nachkommenden Generationen zu erhalten, die wir nur gemeinsam bewältigen können! Und auch wenn solche Rituale, wie das Füttern von Tieren zu Weihnachten, klein und unbedeutend erscheinen: ich glaube fest daran, daß es die Summe solcher Taten (und die damit zusammenhängenden Gespräche, die wir mit unseren Kindern dabei führen!) ist, die unsere Kinder zu empathiefähigen Menschen macht. Und das ist die Sorte Mensch, die dieser Planet dringend braucht.

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2 Kommentare
  1. Veronika sagte:

    Liebe Uta,
    dank dir haben wir zu Elians Geburtstag vorletztes Jahr, er wurde 3, einen Baum im Wald geschmückt. Jetzt wo du es sagst, finde ich den 25. sogar ideal! Eben aus deinen besagten Gründen. Danke für deinen schönen Blogbeitrag ❤️

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    • Uta sagte:

      Liebe Veronika!
      Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Dir und Deinen Liebsten von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest!
      Alles Liebe von Uta

      Antworten

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