Barbaratag

Steht da ein Kirschbaum kahl und ohne Blätter,
steht so schwarz im weißen Schnee bei Frost und rauem Wetter.
Kirschbaum im Garten, musst es wohl erleiden,
will am Tag Sankt Barbara mir Zweige abschneiden.

Will in mein warmes Zimmer sie bringen,
sollen mir zur Weihnachtszeit viel Knospen daraus entspringen.
Knospen noch gestern, Blüten schon morgen:
So ist in der Winternacht der Frühling verborgen.

– Oliver Grichtmaier –

Am 4. Dezember ist Barbaratag und viele kennen den alten Brauch, an diesem Tag ein paar Zweige des Kirschbaums in die Vase zu stellen: in der Hoffnung, daß sie an Heiligabend blühen. Aber wer war eigentlich diese Heilige?

Die heilige Barbara lebte im 3. Jahrhundert als Tochter eines reichen Kaufmanns in Nikomedien, in der heutigen Türkei.  Als sie die christliche Religion kennenlernte, ließ sie sich taufen: und das zu einer Zeit, als Kaiser Decius die Christen verfolgen ließ. Barbaras Vater war ein Heide, der seine Tochter über alles liebte: er war entsetzt und versuchte alles, um sie vom Christentum loszureißen, was ihm aber nicht gelang. Aus Enttäuschung und Wut über ihren Starrsinn zeigte er sie selber an, woraufhin sie gefangen genommen wurde und in´s Gefängnis kam. Auf dem Wege dorthin, verfing sich ein Kirschenzweig in ihrem Kleid: den stellte Barbara in ihrer Zelle in einen Krug mit Wasser. An dem Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde, blühte der Zweig auf. „Du schienst wie tot!“, sagte Barbara zu dem Zweig. „Aber du bist aufgeblüht, zu schönerem Leben. So wird auch mein Tod der Anfang eines neuen, ewigen Lebens sein.“

So gehen wir also am Barbaratag zu den ruhenden Kirschbäumen: wir haben ja das große Glück, in einem alten Kirschanbaugebiet zu leben und wissen genau, welche Kirschgärten noch bewirtschaftet werden und welche nicht. Selbstverständlich schneiden wir unsere Zweige nur von den Kirschbäumen, die nicht mehr abgeerntet werden und auch hier nur jeweils einen Zweig von einem Baum.

Am besten funktioniert das Weihnachtswunder mit Zweigen, die schon Frost abbekommen haben: das ist am 4. Dezember bei uns, in den Höhenlagen der Fränkischen Schweiz, meistens der Fall. So schneiden wir uns eine Handvoll Kirschzweige und machen uns auf den Weg nach Hause.

Zuhause lassen wir die Barbarazweige erst einmal auftauen und legen sie anschließend einige Stunden in warmes Wasser ein: je nach Größe Eurer Zweige bleibt da meistens nur die Badewanne!

Dann werden sie mit einem scharfen Messer an der Schnittstelle etwa 3 cm tief eingeschnitten und in eine Vase mit frischem Wasser gestellt. Das Wasser muß unbedingt regelmäßig ausgetauscht werden, damit die Barbarazweige auch wirklich zu Weihnachten blühen. Wir wollten es letztes Jahr genau wissen und haben ein kleines Experiment gemacht: wir haben eine Vase mit Barbarazweigen in unsere warme Küche gestellt und eine weitere Vase  mit Kirschzweigen in unser kühles Schlafzimmer.

Die Zweige im Warmen standen schon nach 17 Tagen in voller Blüte und blühten auch noch zu Weihnachten.

Die Barbarazweige im Kühlen brauchten ganze 28 Tage zum Aufblühen, waren also erst zu Neujahr geöffnet.

Ideal wäre es also, die Zweige erst einmal eine Woche in einen kühleren Raum zu stellen, um sie dann erst in`s Warme zu stellen: so steht Eurem persönlichen Weihnachtswunder nichts mehr im Wege. Es soll nämlich Glück im neuen Jahr bringen, wenn sich die Blüten der Barbarazweige zum Christfest öffnen!

Ich wünsche Euch und Euren Liebsten von Herzen einen gesegneten Barbaratag!

Geh in den Garten

Geh in den Garten am Barbaratag.
Geh zu dem kahlen Kirschbaum und sag:
Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit;
der Winter beginnt, der Frühling ist weit.
Doch in drei Wochen, da wird es geschehen:
Wir feiern ein Fest, wie der Winter so schön.
Baum, einen Zweig gib du mir von dir.
Ist er auch kahl, ich nehm ihn mit mir.
Und er wird blühen in seliger Pracht
mitten im Winter in der heiligen Nacht.

– Josef Guggenmos –

2 Kommentare
  1. Melli sagte:

    Hallo Uta,
    schön, dass Du an den wunderbaren Brauch erinnerst.
    Kirschzweige haben wir leider noch nie zum Blühen gebracht. Daher holen wir seit einigen Jahren Magnolienzweige aus dem Garten. Deren Blüten haben sich bisher tatsächlich immer pünktlich zum Christfest geöffnet.
    Eine gesegnete Adventszeit Dir und Deinen Lieben!
    Melli

    Antworten
    • Uta sagte:

      Liebe Melli!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Und Du hast Recht: Kirschzweige bringt man gar nicht so einfach zum Blühen! Aber wenn sie tatsächlich Frost hatten (oder man sie über Nacht in‘s Gefrierfach legt!) und man sie vor dem Aufstellen in Wasser einlegt, klappt es eigentlich immer. Aber Magnolien an Weihnachten sind ja auch ein wunderschönes Weihnachtswunder! Euch auch eine gesegnete Adventszeit!
      Herzliche Grüße von Uta

      Antworten

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