Vor genau einem Jahr habe ich dem Buben einen Spielteppich gefilzt und war selbst überrascht, wie gut das für das allererste Mal geklappt hat! Vor allem die kleinen Höhlen sind der Hit … und gar nicht so kompliziert zu filzen, wie man vielleicht glauben mag. Ein Spielteppich aus Filz ist ein wunderbares Geschenk für Kinder, die gerne und ausgiebig mit Holz- oder Plastiktieren spielen. Er ist leicht und kann zusammengerollt werden, so daß er sich auch unkompliziert mitnehmen läßt. Die Grundlage eines gefilzten Spielteppichs bildet idealerweise eine grobe, ungefärbte Wolle im Vlies, da sich diese Filzwolle perfekt verfilzen läßt und sich darauf auch die Höhlen und Seen aus gefärbter Wolle am besten auffilzen lassen. Aber der Reihe nach:

Materialliste

  • Filzwolle im Vlies (Strangwolle oder Märchenwolle verfilzt nicht so schnell und ist deshalb für Anfänger nicht geeignet!), in den Farben Eurer Wahl
  • alte Reste von löchrigen Gardinen
  • alte, biegsame Plastikmatten, die zerschnitten werden dürfen (zum Beispiel alte Tischsets oder diese Schrankeinlegematten mit Noppen)
  • heißes Wasser in einer alten Schüssel
  • Seife, welche gleich in die Schüssel mit heißem Wasser gelegt wird
  • eine alte Plastikflasche mit Löchern im Deckel, gefüllt mit warmem Seifenwasser (zum Besprengen)
  • ein oder mehrere Eimer mit heißem Wasser zum Fertigfilzen
  • Handtücher
  • eine große Bambusmatte oder ein altes Holzrollo, zum kräftigen Walken
  • ein Blatt Papier und einen Bleistift zum Anfertigen einer Skizze

Anleitung

Vor dem Filzen eines Spielteppichs sollte man sich eine ungefähre Skizze anfertigen, damit man sich schon die Wolle in den entsprechenden Farben zurechtzupfen kann: mit nassen Händen ist das ganz schlecht möglich und schadet nur der guten Wolle.

Auch die Größe des zu filzenden Spielteppichs sollte gut überlegt sein: die Landschaft sollte im Maßstab ja einigermaßen zu den Tieren passen, mit denen sie bespielt werden soll. Hat man das ganze Projekt gut durchdacht, baut man alles auf einem Tisch auf, was man zum Filzen benötigt: die Handtücher zum Aufwischen, die Bistrotgardinen (in diesem Fall braucht man ein möglichst großes Stück!)  die Vlieswolle und eine alte Schüssel mit heißem Wasser, in die man eine Seife (ich verwende Seife auf Olivenölbasis aus Frankreich) legt. So ein großes Filzprojekt filze ich am liebsten im Sommer draußen, denn bei dieser Größe läßt es sich kaum vermeiden, daß Wasser auf den Boden tropft. Hat man alles hergerichtet, beginnt man damit, den Untergrund für den Spielteppich zu legen: man nimmt das Vlies der möglichst groben Filzwolle (bei mir war das braun) und zieht die einzelnen Schichten mit zwei Händen voneinander ab (also flächig auseinander!). Auf diese Art bekommt man aus einer Fläche Vlieswolle je nach Dicke zwei bis drei Flächen dünnes Vlies. Diese dünnen Flächen werden im nächsten Arbeitsschritt wieder aufeinander gelegt, allerdings immer in anderer Richtung: das heißt, ich lege eine Fläche dünner Vlieswolle in der Größe meiner Wahl auf meine Filzunterlage. Darauf kommt wieder eine dünne Schicht Vlieswolle, aber mit den Fasern quer zu den Fasern der ersten Schicht. Für einen Spielteppich braucht man schon eine gewisse Dicke, je nachdem wie dünn die Vlieswolle auseinandergezupft wurde, also etwa 3-5 Schichten.

Auf diesen noch trockenen Untergrund wird nun die erste Schicht an farbiger Wolle gelegt: bei mir waren es die grünen Grasflächen, der Fluß, die grüne Wolle für die Pflanzen, das Wasser des Sees und der hellbraune Untergrund für die spätere Steinhöhle. Auch hier gilt wieder: jede Fläche braucht mindestens drei Schichten (sonst kommt die braune Farbe des Untergrundes durch!), welche immer in entgegengesetzter Richtung der Wollfasern aufeinandergelegt werden sollen.

Dann wird vorsichtig alles mit warmem Seifenwasser besprenkelt, bis der gesamte Spielteppich richtig schön feucht ist: Ihr werdet staunen, wieviel Wasser die dicke Wolle in dieser Menge „schluckt“!

Auf diese nasse Fläche kommt als nächstes ein großes Stück alter Gardine, durch die mit richtig schön seifigen Händen der Spielteppich sanft bearbeitet (in diesem Stadium also eher noch gestreichelt!) wird.

In dieser Phase des Filzens wollen wir zwar, daß die gelegten Fasern sich sanft miteinander verbinden, aber nicht so fest, daß nicht noch die weiteren Schichten aufgefilzt werden können! Also ganz sanft mit viel Seife streicheln …mehr noch nicht. Ganz besonders aufpassen muß man an den Stellen, an denen die Pflanzen später aus dem Spielteppich „herauswachsen“ sollen: diese Fasern sollen sich ja nur amgemeinsamen Ende mit dem Untergrund verbinden, die drei Stränge der Pflanze sollen später nach oben wachsen. Also hebt man hier hin und wieder die Gardine ab, massiert die gemeinsamen Enden gezielt in den Untergrund und „zwirbelt“ die drei Pflanzenstränge zwischen den seifigen Fingern, sodaß sie sich einzeln etwas verfilzen. Die „Höhlen“ werden so gefilzt, daß auf die vorbereitete Fläche ein entsprechend zugeschnittenes Stück Plastikmatte kommt und darüber wiederum drei bis vier Schichten der gewünschten Wolle, die später die Oberseite der Höhle bildet. Bitte achtet unbedingt darauf, daß über den Rand der Plastikmattenteile hinaus rundherum mindestens ein Zentimeter Wolle hinausragt! Und ganz unbedingt genügend Schichten Wolle auflegen, damit es stabile Höhlen werden: lieber eine Schicht Wolle zuviel als eine zuwenig!

An meinem See, dem ich durch die Schablone eine Randbepflanzung verpassen wollte, seht Ihr, wie man es nicht machen sollte: die von mir ausgeschnittene Plastikschablone war zu groß, sodaß an einer Seite zwischen Uferbepflanzung und See ein Streifen brauner Untergrund zu sehen ist. Das nächste Mal würde ich die Schablone etwas kleiner schneiden, was aber alleine meinem Perfektionismus geschuldet ist: bis jetzt ist keinem meiner Kinder dieser „Fehler“ aufgefallen.

Sind alle Plastikschablonen komplett und gut mit mehreren Schichten Wolle bedeckt, werden auch diese Teile mit warmem Seifenwasser besprenkelt und mit seifigen Händen durch die Gardine hindurch erst sanft und dann immer stärker bearbeitet. Hin und wieder unter die Gardine schauen, ob nichts verrutscht oder die Pflanzenteile auch nicht versehentlich anfilzen. Ansonsten darf jetzt immer kräftiger gerieben werden, damit alles gut anfilzt. Ist das eine gute Weile gemacht worden, werden die „Höhlen“ aufgeschnitten. Dazu schneidet man mit einer sehr spitzen Schere gaaaaanz vorsichtig sehr dicht am unteren Ende der Plastikschablone (man fühlt sie im nassen Zustand ja sehr gut!) entlang, bis sich die Schablone vorsichtig herausziehen läßt. Dann filzt man mit sehr seifigen Fingern ganz vorsichtig die Innenseite der Höhle, indem man sie erst sanft und dann immer stärker kreisend bearbeitet. Vor allem der Übergang von der Öffnung zum Innenraum der Höhle sollte sehr intensiv bearbeitet werden, damit es später schön unauffällig und organisch aussieht.

Da ich um die Hälfte des Sees eine Randbepflanzung erschaffen wollte, habe ich  bei dieser Schablone nur den gewollten Rand der „Filzdecke“ stehen lassen und die Ränder mit einer Nagelschere spitz zugeschnitten.

Sind alle Schablonen entfernt und alle Ränder wie gewünscht zugeschnitten, wird auch der Rand des kompletten Spielteppichs rundherum einmal abgeschnitten und das große Walken kann beginnen. Da ein Spielteppich mitunter schon größeren Belastungen ausgesetzt ist, darf bei diesem Filzwerk so RICHTIG kräftig gewalkt werden. Dazu taucht Ihr den kompletten Teppich immer wieder in einen Eimer mit sehr heißem Wasser, breitet ihn anschließend auf dem Filztisch aus, wickelt ihn in eine große Bambusmatte und rollt und walkt mit großer Kraft darauf herum. Dann wird der Spielteppich wieder ausgerollt, wieder heiß getaucht und anschließend in eine andere Richtung aufgerollt und kräftig durchgewalkt. Dieses Prozedere wird so oft wiederholt, bis der gefilzte Spielteppich sehr fest geworden ist. Dann wird er ein letztes Mal gründlich unter fließendem Wasser von Seifenresten befreit, ausgewrungen und zurechtgezogen. Erst einmal zieht man in alle Richtungen, bis er die gewünschte Form wiedererlangt hat. Dann werden die Höhlen und gegebenenfalls die Randbepflanzungen eines Sees „aufgestellt“ und in Form gebracht. Jetzt wenden wir uns den Pflanzen zu:

Damit die Pflanzen dreidimensional aus dem gefilzten Spielteppich herausstehen, wird einer der drei Stränge um die beiden anderen gewickelt und per Knoten fixiert, so daß zwei „Blätter“ der Pflanze aus dem Spielteppich herauswachsen. Wurde das bei allen Pflanzen wiederholt, ist der gefilzte Spielteppich fertig:

Der Spielteppich sollte vor dem Bespielen richtig gut durchtrocknen, am besten flach auf einem Wäscheständer liegend. Mit welchen Spielfiguren er dann bevölkert wird, bleibt natürlich den Kindern überlassen. Ich habe ihn von der Größe her vor allem an unsere geliebten Ostheimer-Tiere angepasst und damit wird er auch am meisten bespielt:

Vor allem die Höhlen werden hier sehr geliebt!

Gefilzt hatte ich diesen Spielteppich aber tatsächlich für diese Plastik-Tiere von Schleich, die ich gebraucht kaufen konnte und die der Bub zusammen mit dem gefilzten Teppich zu seinem letzten Geburtstag im Frankreichurlaub bekommen hat: denn da diesen Tieren auch Meerwasser nichts anhaben kann, sind sie für einen mehrwöchigen Urlaub an verschiedensten Gewässern definitiv besser geeignet.

Aber egal wo und egal mit welchen Tieren: der Spielteppich wird immer gerne bespielt. Und ist er einmal wirklich so verschmutzt, daß er durch Ausklopfen und sanftes Ausbürsten  nicht wieder zu reinigen ist, kann man ihn auch im Wollwaschprogramm der Waschmaschine mit Wollwaschmittel durchwaschen.

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