Ich bin Marie Kondo ja immer noch sehr dankbar, daß sie mir vor sieben, acht Jahren dabei geholfen hat, mein Haus zu entrümpeln und mich von vielem Ballast zu trennen. Aber eines verzeihe ich ihr nicht so schnell: daß sie mich davon überzeugt hat, mich von meinem alten Herbarium zu trennen, welches ich meine gesamte Kindheit hindurch liebevoll in einem großen Ordner geführt habe. Schon kurze Zeit später habe ich es bereut und gewußt: ich möchte mir wieder ein Herbarium anlegen.

Ein Herbarium zu führen, macht mir einfach unwahrscheinlich viel Freude: und dabei ist die Form gar nicht so wichtig. Ich habe vorgefertigte Alben für die Kinder besorgt, was ich sehr schön, aber für meine Zwecke zu einschränkend finde. Denn man kann dort ja nur die Blumen, Pflanzen und Blätter einkleben, die auf den jeweiligen Seiten vorgesehen sind. Das ist hilfreich, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Sammeln und Ordnen von Pflanzen beschäftigt, später wird man aber eher mit einer freien Art der Gestaltung glücklich. Deshalb benutze ich auch bei meinem zweiten Herbarium noch immer dieselben Einlegeblätter aus Fotokarton, die ich schon als Zehnjährige benutzt habe: ich durfte damals aus dem Fotofachgeschäft meiner Eltern gleich einen ganz großen Karton davon mitnehmen und dieser Karton scheint niemals leer zu werden: welch ein Glück!

Die Freude, Blumen zu sammeln, beginnt aber nicht am Schreibtisch, sondern in der Natur: am besten nimmt man seine Blumenpresse gleich mit! Ich besitze noch die Blumenpresse, die ich zu meinem zehnten Geburtstag von meiner Oma bekommen habe: und mittlerweile sind einige dazugekommen. Wer keine Blumenpresse hat, legt einfach Löschblätter zwischen die Seiten eines großen Bildbandes und beschwert diesen mit einem Stapel schwerer Bücher!

Ob im Wald oder auf der Picknickdecke: presst man die Blumen gleich an Ort und Stelle, erhält man das schönste Ergebnis.

Auch das Bestimmen ist vor Ort, also in ungepflücktem Zustand und am Originalstandort am einfachsten: aber da ich nicht immer alle meine Bestimmungsbücher (ich besitze ein ganzes Regalfach davon, weil mich die Pflanzenliebe schon so lange begleitet und ich auf Flohmärkten noch nie an schönen Bestimmungsbüchern vorbeigehen konnte!) mitnehmen möchte, mache ich auch oft nur ein paar gute Handybilder von den Pflanzen, um es später beim Bestimmen leichter zu haben. Das korrekte Bestimmen ist nämlich gar nicht immer so einfach!

Das hilfreichste Standardwerk zur einfachen Pflanzenbestimmung ist wohl „Was blüht denn da?“ aus dem Kosmos Verlag: es sortiert die Pflanzen nach Blütenfarben und ist leicht verständlich aufgebaut. Ich besitze sowohl den Fotoführer mit echten Bildern (den ich meistens dabei habe!) als auch das Standardwerk mit den wunderschönen und detailgetreuen Pflanzenzeichnungen.

Ich nehme aber auch gerne meine älteren Flohmarktfunde zur Hand: ich liebe es, Pflanzenbestimmungsbücher zu lesen!

Früher habe ich wesentlich mehr Informationen zur Pflanze in mein Herbarium geschrieben, aber mittlerweile beschränke ich mich auf den deutschen und den lateinischen Namen, den Fundort und das Datum. Aber auch das kann selbstverständlich individuell gestaltet werden.

Manche Pflanzen, wie das gewöhnliche Scharbockskraut, verlieren beim Pressen kein Stück ihrer Schönheit!

Andere wiederum wechseln gar ihre Farbe! Es ist immer wieder eine solche Überraschung, die Blumenpresse nach etwa fünf Tagen zu öffnen: wahrlich wunder-voll! Ich setze mit Flüssigkleber ganz achtsam kleine Punkte auf die Rückseite der gepressten Pflanze und klebe sie vorsichtig auf meinen Fotokarton.

Selbstverständlich sollte man beim Sammeln darauf achten, keine geschützten Pflanzen zu pflücken: aber auch da höre ich mehr auf meinen gesunden Menschenverstand als auf die Rote Liste! Märzenbecher sind in der Natur beispielsweise streng geschützt, aber in der Schrebergartenkolonie unseres Ortes wachsen sie kultiviert zuhauf, weshalb ich mir dort welche gepflückt habe. Auch Wiesenschlüsselblumen mögen allgemein zu den bedrohten Arten gehören, aber in unserer Fränkischen Schweiz sind die Wiesen im Frühjahr voll davon und es schadet gewiss niemandem, daß zwei Blümlein in meinem Herbarium gelandet sind. Das sollte übrigens für alle Pflanzen gelten: eine naturschützende Person pflückt und erntet grundsätzlich nichts, was nicht in Hülle und Fülle vorhanden ist: und auch davon nimmt man nur wenig und mit Respekt. Ich finde, genau diese Achtung und diesen Respekt vor der Natur kann man seinen Kindern wunderbar näherbringen, indem man als Familienprojekt ein Herbarium führt! Habt viel Freude dabei!

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2 Kommentare
  1. Katrin sagte:

    Oh, interessantes Hobby! Wir mussten damals in der Schule ein Herbarium anlegen, aber da war (warum auch immer) wichtig, dass auch die Wurzeln noch dran sind… vermutlich nicht die beste Idee…
    Und die Pflanzenpresse ist ja cool! Bisher hab ich immer alles (meistens Blätter im Herbst) in dicke Bücher gelegt – und dann da vergessen…
    Danke fürs Teilen deines (ungewöhnlichen) Hobbies!

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    • Uta sagte:

      Liebe Katrin!
      Ich danke Dir für Deinen lieben Kommentar! Das mit den Wurzeln ist ja interessant!
      Ganz liebe Grüße von Uta

      Antworten

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