Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal in Wien war, im Hochsommer, war ich überzeugt davon, es könne keine schönere Stadt auf der Welt geben – und vielleicht stimmt das ja sogar. Wien hatte mein Herz im Sturm erobert und nie mehr losgelassen. Umso glücklicher war ich, als meine Soulsister vor zwei Jahren einen Wochenendtrip nach Wien vorschlug und sagte gleich zu. Wien im Mai? Das klang einfach zu perfekt, um wahr zu sein. Also schnell nach einem Airbnb-Zimmer geschaut und gebucht: Wien, wir kommen!

Das Zimmer war dann nicht erwähnenswert, die ungeputzte Toilette vielleicht schon, aber wir sind ja nicht so: Hauptsache, es befand sich in einem wunderschönen Altbau, im 7. Bezirk. Und den wollten wir am ersten Morgen auch gleich erkunden. Kaum aus dem Haus getreten, kamen wir uns vor wie in einer Filmkulisse: gibt es wirklich noch Kohlenhandlungen?

In Wien schon. Und noch viel mehr! Die schönsten VW-Busse vor winzigen Bäckereien …

… und Bonbonläden, die einem Kindheitstraum entstiegen sein müssen!

Wir ließen uns immer weiter in die Innenbezirke treiben und es wurde nie langweilig! Eine Schwäbische Jungfrau in Wien: wer hätte das gedacht?

Und, natürlich: Kaffeehäuser! Das Kaffeehaus ist ja bekanntlich das Herz Wiens und so flüchteten wir vor dem Regen in das Kaffeehaus Leopold Hawelka und genossen einen Kleinen Schwarzen und eine Wiener Melange. Das Schönste an Wiener Kaffeehäusern ist ja bekanntlich, die Kellner zu beobachten … und so taten wir dies ausgiebig und mit großem Genuß. Die Krönung wäre natürlich gewesen, wenn ein Nackerter durch das Hawelka gelaufen wäre, aber man kann eben nicht alles haben.

Dann ließen wir uns durch die Gassen treiben: an jeder Ecke gibt es Zauberhaftes zu entdecken, wie zum Beispiel winzige Buchhandlungen, die sich an Kirchenmauern schmiegen.

Aber auch Trauriges, wie dieses Mahnmal für die 65.000 ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen der Schoah, welches am Judenplatz im ersten Bezirk zu finden ist:

Ich habe schon viele berührende Holocaust-Mahnmale gesehen: aber keines hat mich je so bewegt wie dieses. Alle verkehrt herum in Bücherregalen einer großen „Bibliothek des Lebens“ stehenden Bände stehen für die ungelebten Leben derer, die in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Ihre Lebensgeschichten konnten nicht zu Ende geschrieben werden, sie sind für immer gefangen in einer uniformen Reihe von Opfern, denen nicht nur das Leben, sondern auch die Individualität genommen wurde.

Ein unglaublich gelungenes und berührendes Mahnmal, mitten im Herzen Wiens!

Vorbei am Naturhistorischen Museum, ging es für uns dann zum Museumsquartier Wien „MQ“, wo es meine Soulsister in das mumok und mich in die phantastische Schiele-Ausstellung in das Leopold Museum zog.

Nach dem Kunstgenuss kam dann tatsächlich die Sonne heraus und wir konnten mit vielen anderen Sonnenanbetern den herrlichen Platz des MQs genießen.

So viel Kunst und so viel Leben trifft an diesem Ort zusammen!

Doch der Hunger vertrieb uns schon bald aus dem Museumsquartier.

Also gingen wir die Mariahilfer Straße hinauf und landeten zuerst bei Soya Noodles und anschließend bei der besten veganen Eisdiele Wiens, bei Veganista! Ein absoluter Traum! Wenn Ihr jemals in den Genuß dieses Eises kommen werdet: Mohn und Tonkabohne kann ich von Herzen empfehlen!

An der Fillgraderstiege entlang ging es dann zuerst zum Entspannen in den Burggarten und dann zur Österreichischen Nationalbibliothek: an diesem monumentalen Bauwerk kann man nicht nur mit riesigen Löwen kuscheln, sondern auch einen phänomenalen Sonnenuntergang erleben!

Wer sich nach Sonnenuntergang noch nicht müde gelaufen hat, der nimmt die nächste U-Bahn zum Prater, diesem sagenumwobenen Ort, den ich in so vielen Büchern und Filmen schon besucht und den ich mir trotzdem so ganz anders vorgestellt hatte!

„Herrrreinspaziert!“, ruft einem das Leuchtschild am Eingang zu … und schon ist man auf einem riesigen Rummelplatz!

Und auch wenn einige Fahrgeschäfte schon geschlossen waren, so war doch gerade die späte Stunde an diesem Ort ein besonderes Erlebnis.

Ich konnte meine Gefährtin trotz Höhenangst sogar zu einer Fahrt mit dem Wiener Riesenrad bewegen: das altehrwürdige Riesenrad ist Wiener Wahrzeichen und gleichzeitig das weltweit bekannte Symbol für den Wurstelprater. Die Kabinen sind verschlossen und geräumig und nachts ist die Fahrt ein absolut unvergeßliches Erlebnis!

Am nächsten Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein in Wien: was für ein Geschenk! So kauften wir uns Frühstück im Bioladen um die Ecke und fuhren zum Picknick nach Schönbrunn, wo sogar die Straßenbahnhaltestellen schön sind.

Ganz früh am Morgen bekommt man auch an einem sonnigen Maisamstag noch ein Bein auf die Erde und so genossen wir erst einmal den Rosengarten, bevor sich die zahlreichen Touristenbusse über ihn ergossen.

Nach einem einsamen Picknick auf einer Parkbank unter uralten Bäumen liefen wir zur Gloriette, die einen phantastischen Blick auf Schloß Schönbrunn und ganz Wien bietet.

Die Dimensionen all dieser Bauwerke hier sind unglaublich!

Aber so schön die Gloriette oder auch das Schloß Schönbrunn sein mögen: uns war da einfach zu viel los. Zum Glück gibt es auf demselben Gelände auch eines der größten Palmenhäuser der Welt: das Palmenhaus Schönbrunn, ein wunderschönes Gebäude aus Stahl und Glas, welches 1882 eröffnet worden war und seitdem nichts von seiner Faszination eingebüßt hat!

Innen umfängt einen sofort ein dichter Dschungel aus den faszinierendsten Pflanzen.

Eines ist sicher: das Palmenhaus Schönbrunn ist einer unserer absoluten Lieblingsorte in Wien!

Nachdem wir uns im dichten Grün so richtig erholt hatten, ging es wieder in die Innenstadt: wir mußten unbedingt noch dem Naschmarkt einen Besuch abstatten! Doch das Gewühl und die schreienden Marktstandsbesitzer machten uns schon bald reif für die nächste Pause. Also auf zum Café Bräunerhof, wo wir das unglaublichste Erlebnis hatten: als wir am Tag zuvor am Lieblingskaffeehaus des Autors Thomas Bernhard vorbeigingen, malten wir uns aus, daß wir am nächsten Tag einen Platz an einem der offenen Fenstern bekommen würden. Und genau in dem Moment, als wir dort ankamen, wurde ein solcher Platz frei!

Doch damit nicht genug! Gerade, als uns der Kellner die Bestellung servierte, fingen drei Musiker an, direkt hinter uns klassische Kaffeehausmusik zu spielen: ein wahrgewordener Wiener Traum, den wir ganz sicher nie vergessen werden!

Wir waren dann noch am Stephansdom, haben Mitbringsel bei Feinkost Haas & Haas  und Manner gekauft und wurden in der simply raw bakery mit roh-veganen Backwaren verwöhnt!Mit Blasen an den Füßen sind wir spätabends auch noch in der veganen Burgerkette Swing Kitchen eingekehrt und waren auch davon absolut begeistert: Wien ist ein Eldorado für Pflanzenesser! Zum Abschied gab es dann noch Erinnerungsfotos aus dem Retro-Photoautomaten im Museumsquartier und schon war unsere viel zu kurze Zeit in Wien zu Ende. Dabei hätten wir noch so viel sehen wollen! Da müssen wir wohl mal wiederkommen: Wien ist definitiv immer eine Reise wert.

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