Der Jahreszeitentisch ist uns in den vergangenen vierzehn Jahren, also seit wir mit Kindern zusammenleben dürfen, so an´s Herz gewachsen, daß wir ihm auch in unserem neuen Haus wieder einen zentralen und großzügigen Platz eingeräumt haben: er befindet sich in unserer Wohnküche in Sichtweite unseres Eßtisches und ist aus unserem Familienleben nicht mehr wegzudenken.

Aber was ist das eigentlich, ein Jahreszeitentisch?

Die Idee, die Vorgänge der Natur und die Jahresfeste im Hause abzubilden, stammt aus der Waldorfpädagogik: dort ist der Jahreszeitentisch ein beliebtes Mittel, die Kinder an ein intensives Erleben der Natur und des Jahreslaufs heranzuführen. Zu diesem Zwecke wird eine bestimmte Ecke, ein Regalbrett, eine Kommode oder ein Fensterbrett eigens reserviert und im Rhythmus der Jahreszeiten immer wieder neu gestaltet. Als Grundlage dienen Stoffe (Seidentücher oder Baumwolltücher), deren Farbgebung jeweils die in der Natur vorherrschenden Farbtöne wiederspiegeln sollen. Dazu kommen jahreszeitlich passende Karten oder Kunstdrucke und mit einem Fundstück aus der Natur (seien es Blumen in der Vase im Frühjahr, Muscheln vom Strand im Sommer, Kastanien und Eicheln im Herbst und einem Zweig Tannengrün im Winter) wäre die einfachste Version eines Jahreszeitentisches schon perfekt.

Wenn man, wie ich, sehr viel Freude an der Gestaltung eines opulenten Jahreszeitentisches hat, sind der Phantasie und Gestaltungsfreude kaum Grenzen gesetzt: wir haben uns in den ersten Lebensjahren der Kinder von allen Verwandten zu allen Festen Holzfiguren der Firma Ostheimer gewünscht. Damit haben sie nicht nur einen großen Korb wunderbarstes Spielmaterial bekommen, sondern auch einen tollen Grundstock für jeden unserer Jahreszeitentische. Ein weiteres Ritual war es, jedes Jahr am Martinimarkt unserer örtlichen Waldorfschule ein Püppchen für den Jahreszeitentisch zu kaufen: auch da hat sich mit den Jahren natürlich eine schöne Menge an Kostbarkeiten angesammelt. Und wenn man handwerklich ein wenig geschickt ist, kann man sich viele Dekoelemente für den Jahreszeitentisch auch selbst herstellen.

Bei uns gibt es als Mittelpunkt des Tisches immer eine Kerze, um die immer die gleichen Gegenstände gruppiert werden, die für mich als kleine Version eines Hausaltares die vier Elemente symbolisieren: die Kerze steht für das Element des Feuers, ein Schälchen mit Wasser und für mich bedeutsamen Steinen darin steht natürlich für das Element des Wassers, ein von einem lieben Freund eigens für unser Haus bemalter Stein steht für das Element der Erde und meine Räucherschale mit Räucherwerk steht für das Element der Luft.

Bei der Gestaltung der restlichen Flächen lasse ich mich sowohl von der Natur draußen als auch von den aktuellen Jahresfesten inspirieren. Um Euch Anregungen für eigene Jahreszeitentische zu bieten, möchte ich Euch in Zukunft hier unseren aktuellen Tisch vorstellen. Dennoch möchte ich Euch unbedingt dazu ermutigen, Eure eigenen Wege bei der Gestaltung einer Jahreszeitenecke oder eines Tisches zu gehen! Jeder Jahreszeitentisch darf so individuell sein wie die Familie, unter deren Dach er steht!

Ich werde oft gefragt, wie ich es schaffe, daß meine Kinder den Jahreszeitentisch nicht ständig bespielen und „verwüsten“. Dazu kann ich nur sagen, daß dieser Respekt vor dem Tisch und die Freude am reinen Betrachten des Tisches auch in unserer Familie erst erlernt werden mußte. Unser erster Jahreszeitentisch war ein zweiter Couchtisch auf Kinderhöhe: schon bald stellte sich heraus, daß diese Höhe sehr ungünstig für einen Tisch war, der ja eben nicht bespielt werden soll. Aus diesem Grunde habe ich schon bald eine hohe Kommode und die sich darüber befindenden Fensterbretter gewählt. Dies hier war unser erster großer Jahreszeitentisch in unserem ehemaligen Reihenhaus:

Die kleineren Kinder müssen sich zwar zum Betrachten einen Schemel holen, was aber bei uns noch niemanden davon abgehalten hat. Größere Kinder dürfen auch gerne beim Gestalten des Tisches helfen, die Mithilfe der kleineren Kinder beschränkt sich darauf, all ihre Fundstücke aus der Natur (Schneckenhäuser, Zapfen, Kastanien, Eicheln …) auf den Jahreszeitentisch legen zu dürfen.

Bei uns wird der Jahreszeitentisch jedenfalls von allen geliebt und die Freude ist immer groß, wenn sie einen neu gestalteten Tisch entdecken. In der dunklen Jahreszeit werden die Kerzen jeden Morgen und jeden Abend entzündet und tauchen die Tischlandschaft in ein zauberhaftes Licht.

Worauf wartet Ihr noch? Holt auch Ihr Euch und Euren Kindern ein Stück Natur und ganz viel Magie in Euer Haus!

 

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