Marienbad, auf tschechisch Mariánské Lázně, ist einer unserer absoluten Lieblingsorte auf der Welt: das liegt zum einen sicher daran, daß unsere allerersten Auszeiten vom Familienalltag dorthin führten und zum anderen daran, daß wir von der Fränkischen Schweiz aus nur zwei Stunden durch herrlichste Landschaften auf der Landstraße fahren müssen, um in dieser ganz anderen Welt zu sein.

Und Marienbad in der schönen Tschechischen Republik ist wirklich eine Welt für sich: eine fabelhafte Welt, die erst Anfang des 19. Jahrhunderts erschaffen wurde, als der Ruf der berühmten Heilquellen über die Landesgrenzen hinweg bekannt und eine prachtvolle Kurstadt auf den trockengelegten Sümpfen des Böhmerwaldes erbaut wurde.

Daraufhin erlebte Mariánské Lázně, wie auch die übrigen berühmten Kurbäder Böhmens, einen Aufschwung sondergleichen. Johann Wolfgang von Goethe war schon 1920 mehrere Wochen zur Kur in Marienbad, wo es ihm so gut gefiel, daß er immer wieder dorthin zurückkehrte und diesem Ort (und seiner letzten großen Liebe, die er dort fand, Ulrike von Levetzow) mit der „Marienbader Elegie“ sogar ein literarisches Denkmal setzte. Ihm folgten Richard Wagner, das Königshaus Englands, Kaiser Franz Josef und mit dieser Prominenz die gesamte Hautvolee der damaligen Zeit.

Durch diesen Zuspruch der reichsten Menschen Europas wurde Marienbad sehr schnell sehr wohlhabend, was sich schon bald in der traumhaften Architektur wiederspiegelte. Und diese architektonische Schönheit ist zum Glück in den vergangenen zwei Jahrhunderten nicht verloren gegangen. Natürlich hat auch der Sozialismus seine Spuren im Stadtbild hinterlassen, aber das empfindet man als Besucher nurmehr als eine interessante Anekdote in der turbulenten Geschichte dieser außergewöhnlichen Stadt.

In erster Linie wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten alles dafür getan, den verfallenden Bauwerken wieder zu altem Glanz zu verhelfen und damit wieder internationale Kurgäste nach Mariánské Lázně zu locken. Mit Erfolg: das Stadtbild wird immer schöner und in den zehn Jahren, die wir Marienbad nun schon regelmäßig besuchen, konnten wir schon einige positive Veränderungen beobachten.

In Marienbad gibt es für jeden Geschmack das passende Hotel: von ultramodern bis hin zu halb verfallen. Wer aber noch ein wenig den Hauch der Gründerzeit einatmen möchte, dem empfehlen wir von Herzen das älteste Hotel am Ort, das Centrální Lázně. Die Zimmer und die Küche sind nicht der Rede wert (ja, in einem tschechischen Hotel kann es einem auch heute noch passieren, daß man am Buffet bei der Frage nach dem vegetarischen Gericht (von vegan mal ganz zu schweigen!) auf das Fischgericht verwiesen wird!), doch deswegen kommen wir auch nicht nach Marienbad.

Aber die Architektur! Ein absoluter Traum!

Der große Kurtrakt des Hotels ist noch beinahe im Originalzustand und allein um einen ausführlichen Blick in die einzigartigen historischen Kurkabinen werfen zu dürfen, lohnt sich die Buchung einer Kuranwendung.

Vom trockenen Gasbad über Teil- und Vollmassagen und Mooranwendungen bis zum Mineralbad CO2 kann man alle Anwendungen buchen, die schon vor 200 Jahren die Gesundheit der illustren Kurgäste unterstützte und sich während der Anwendung in diese Zeit zu versetzen, ist einfach wundervoll.

Was aber noch schöner ist: ein Besuch des Römischen Bades, das sich im Hotel Nové Lázně befindet und welches durch verschlungene Gänge auch vom Hotel Centrální Lázně (und von mehreren anderen Hotels) aus erreichbar ist. Ich habe noch nie ein so herrliches Bad gesehen … und während der drei Tage, die wir 2018 in Marienbad waren, hatten wir sowohl das Römische Bad als auch die moderne Sauna daneben komplett für uns: nur ein paar wenige Gäste verschlug es immer wieder in das benachbarte Dampfbad, was unsere Ruhe aber nicht im Geringsten störte.

Wer sich bei diesem Anblick nicht in vergangene Zeiten hineinträumen kann, der schafft es nirgendwo.

Von der filigran bemalten Decke bis zu den Wasserspeiern: im Römischen Bad des Nové Lázně ist einfach alles traumhaft schön!

Nur einen Steinwurf entfernt vom Hotel befindet sich die Kurpromenade, welche sich vom Pavillon der Rudolphs- und der Karolinenquelle…

…über die Singende Fontäne zur gusseisernen Kolonnade aus dem Jahr 1889 zieht:

Die pseudobarocke Hauptkolonnade ist ein bedeutendes historisches Baudenkmal der Tschechischen Republik und gilt als Symbol für Marienbad.

In ihrem Inneren befinden sich zahlreiche kleine Geschäfte und seit der umfangreichen Renovierung von 1973 – 1981 auch bemerkenswerte Deckenmalereien von Josef Vyleťal.

Die Hauptkolonnade führt direkt auf einen weiteren überdachten Quellbrunnen hinzu, den Kreuzbrunnen:  dem einzigen in Marienbad, in dem die Kurgäste ihre Schnabeltassen für die Trinkanwendungen aufbewahren lassen können.

An heilkräftigen Quellen mangelt es nun wirklich nicht in Mariánské Lázně und es empfiehlt sich immer, einen Trinkbecher zur Hand zu haben. Das Heilwasser kann an den Brunnen kostenfrei entnommen werden und es ist äußerst spannend, wie unterschiedlich die einzelnen Brunnen auf einem so kleinen Stadtgebiet schmecken: von der stark schwefelhaltigen Quelle bis zum kohlensäurehaltigen „Säuerling“ ist alles dabei. Im Raum Marienbad entspringen mehr als 100 Quellen, rund 40 davon in der Stadt, was eine balneologische Rarität darstellt!

Das ist natürlich alles schrecklich gesund und deshalb empfehlen wir dringend, als kleines Gegengewicht folgende lokale Spezialitäten zu probieren: zum einen frisch gebackenen Trdelník, eine Art Baumstriezel aus süßem Hefeteig, der in den Buden unterhalb der Hauptkolonnade ständig frisch gebacken wird und einfach unglaublich gut schmeckt.

Und zum anderen natürlich die berühmten Kolonada Oblaten, die überall in kleinen Läden sogar einzeln verkauft werden und die sich, in schönen Kartons oder Dosen verpackt, auch immer gut als Mitbringsel machen.

Aber was macht man denn eigentlich den ganzen Tag in einem ehrwürdigen Kurbad, in dem die Bürgersteige zugegebenermaßen sehr früh hochgeklappt werden und in dem von Nachtleben kaum die Rede sein kann?

Wir empfehlen Wandern! Rund um Marienbad verlaufen die schönsten Wanderwege, einige davon findet man in der Wanderbroschüre an der Touristeninformation.

Die meisten Wanderwege verlaufen oberhalb von Marienbad und belohnen einen nach dem Aufstieg mit sagenhaft schönen Ausblicken auf die ehrwürdige Kurstadt, wie hier vom Mescéry Aussichtspunkt aus.

Neben dem Geologischen Park befindet sich ein kleiner Soldatenfriedhof mitten im Wald, der einen an die unruhige Geschichte Tschechiens im Herzen Europas erinnert.

Vorbei an der malerischen Laska-Kapelle führt der Weg schon wieder zum nächsten Brunnen: dem Lesní Pramen.

Sind die Flaschen aufgefüllt, wandern wir weiter und erblicken eine weitere Seite Marienbads: die der verfallenden Baudenkmäler. Denn es gibt längst nicht genügend Investoren, um alle ehrwürdigen Häuser dieser schönen Stadt vor dem Verfall zu retten: was für ein Jammer!

Weiter geht es zum Karola-Aussichtspunkt und von dort weiter in den kaum besuchten Wald.

Auch am schönsten Frühlingstag trifft man hier kaum einen anderen Wanderer: die meisten Touristen bleiben im Stadtkern von Mariánské Lázně und das schätzen wir sehr.

Wir kommen an zahlreichen kleinen Quellen im Wald vorbei und bestaunen besonders die eisenhaltigen Brunnen ob ihrer leuchtenden Rosttöne:

Ein weiterer verwunschener Ort nahe Marienbad ist der Jüdische Friedhof:

Wieder zurück in der Innenstadt, wird gleich der nächste Brunnen aufgesucht:

Wie ich diese Stadt mit ihren immer wieder überraschenden Ein- und Ausblicken liebe!

Und auch der morbide Charme vergangener Zeiten hat es mir angetan: nein, in Marienbad ist längst nicht alles auf Hochglanz poliert und das ist einfach wunderbar.

Marienbad ist übrigens so klein, daß man sich alles zu Fuß erlaufen kann:

Und immer wieder steht man staunend da, wie hier vor der Kirche Mariä Himmelfahrt:

Vielleicht konnte ich Eure Neugier wecken? In mir verursacht alleine der Name „Marienbad“ ein Gefühl tiefer Entspannung … und deshalb ist für uns eines sicher: wir werden wiederkommen! Denn, um es mit den Worten Franz Kafkas zu sagen: „Marienbad ist unbegreiflich schön!“

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