Ich bin ja gelernte Buchhändlerin … und auch wenn ich diesen Beruf nun schon 16 Jahre nicht mehr ausübe, ist meine Begeisterung für Bücher ungebrochen. Die Liebe zu Büchern weiterzugeben, war und ist mir deshalb schon immer eine Herzensangelegenheit und diese Liebe ist zum Glück auch in all meinen Kindern tief verwurzelt. Wie kann man also die Bücherliebe als Eltern aktiv fördern? In den ersten sechs Lebensjahren ist das tägliche Vorlesen ein Ritual, das in keiner Familie fehlen sollte. Wir haben es in das Abendritual integriert, so daß es tatsächlich nur dann entfällt, wenn unsere Kinder einmal nicht ordentlich in’s Bett gebracht werden (wie zum Beispiel im Sommerurlaub oder an Familienfeiern). Unser Bücherkorb enthält immer unsere allerliebsten Vorlesebücher für eine Jahreszeit. Einen Korb habe ich deshalb gewählt, weil er (im Gegensatz zu unseren vielen gut gefüllten Bücherregalen) mobil ist und so auch mitgenommen werden kann: auf die Ofenbank an grauen, nebligen Herbst- und Wintertagen, an denen alle eine Extraportion Gemütlichkeit brauchen, aber auch nach draußen auf die Gartenliege, um in der warmen Jahreszeit Frischluft und Sonne mit Vorlesen zu verbinden. Wenn ich ehrlich bin, suche immer ich die Bücher für unseren Vorlesekorb aus. Zum einen, weil ich schon lange vor den eigenen Kindern eine tiefe Liebe zu Kinderbüchern entwickelt habe und zum anderen, weil ich es nicht nur für sinnvoll, sondern für absolut wichtig halte, daß der Vorlesende Spaß dabei hat. Kinder haben so feine Antennen für die Gefühlswelt ihrer Eltern: sie würden es sofort spüren, wenn ich ein Buch ungern vorlesen würde. Bücher, die ich selbst liebe, lese ich so gerne vor, daß auch für mich die Vorlesezeit reiner Seelenbalsam ist: und auch diesen Aspekt halte ich für absolut berechtigt. Also bitte: lest Euren Kindern nur Bücher vor, die Ihr vorher durchgelesen und für schön und wertvoll befunden habt. Es gibt so viele lieblos illustrierte, schlecht übersetzte und sinnlose Bilderbücher! Aber es gibt zum Glück auch Unmengen an wunderschönen, liebevollen und durch und durch guten Bilderbüchern: greift also besser zu diesen, denn alles, was wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen, wird eine Wirkung auf sie haben. Möge diese Wirkung positiv sein! Wir haben auch einen Bücherkorb neben dem Familienbett stehen: in diesem sind die  Bücher für das Gute-Nacht-Ritual zu finden, allen voran Bücher mit beruhigenden Abendgeschichten, aber auch des Buben aktuelle Lieblingsbücher dürfen hier nicht fehlen. Den jahreszeitlich bestückten Bücherkorb verwenden wir für kurze Lesepausen tagsüber: mit einer guten Geschichte läßt sich erfahrungsgemäß jedes Nachmittagstief überwinden. Unsere Sommerauswahl befindet sich schon lange in unserem Besitz und leider kann ich nicht garantieren, daß alle von mir empfohlenen Bücher noch lieferbar sind. Ein Blick in die Online-Antiquariate lohnt sich in diesem Fall meistens!

Unsere Lieblingsbücher für den Sommer

 

Dies sind unsere liebsten Sommerbücher für die Kleinsten – also etwa von 2 bis 4 Jahren:

 

„Sommer-Wimmelbuch“ von Rotraut Susanne Berner, erschienen im Gerstenberg Verlag (unseres ist eine uralte Ausgabe der Büchergilde Gutenberg): ein großformatiges Pappbilderbuch der Kategorie Wimmelbuch, das grandios ohne Text auskommt. Denn schaut man sich aufmerksam jede einzelne Seite an, werden einem unendlich viele Sommergeschichten erzählt: je nachdem, welchem Bewohner aus „Wimmlingen“ man über die sieben Doppelseiten hinweg folgt. Im Sommer genießt ganz Wimmlingen das Leben im Freien und dieses Kleinstadtleben ist wie in allen Wimmelbüchern von Rotraut Susanne Berner einfach nur herzerfrischend, bunt und voller Liebe!

„Da tanzen viele Tiere mit…“ von Eva-Maria Ott-Heidmann, erschienen im Verlag Urachhaus: in diesem herrlich illustrierten Band ist sogar die Schrift gemalt! In (manchmal holprigen) Reimen wird die Bärenhochzeit im Wald erzählt – ein herrliches Sommerfest, auf dem unter Lampions bis tief in die Nacht hinein getanzt wird. Neben den Kindern kommen allerhand Tiere zur Feier und tanzen bis tief in die Nacht hinein mit dem Hochzeitspaar und am Ende bekommen auch die Zuhörer eine Einladung zum Fest!

„Sommer“ von Eva-Maria Ott-Heidmann, erschienen im Verlag Urachhaus: ein reines Bilderbuch aus fester Pappe. Ohne Text, aber dafür mit den herzerwärmendsten Sommermomenten, meisterhaft gemalt von der „Grande Dame“ der anthroposophischen Bilderbuchillustration. Im Sommerband der vierteiligen Serie für die Kleinsten stehen die Bäume im saftigen Grün und der Rosenbogen blüht am Haus: die Kinder tanzen um ein großes Johannisfeuer und baden im Seerosenweiher. Von Libellen über Heupferdchen,  Fröschen, Schmetterlingen und Bienen sind alle Sommerfreunde vertreten und die Kinder pflücken sich die Kirschen frisch vom Baum. Auf der letzten Seite wird das Kornfeld reif und man ahnt, während die Äpfel auf dem Baum Farbe annehmen, das Ende eines herrlichen Sommers.

„Zum Strand“ von Patricia Lakin und Sabine Wilharm ist ein herrliches Gesamtkunstwerk für die ganz Kleinen, welches aber auch den ganz Großen viel Freude macht: Typographie und Illustration gehen meisterhaft Hand in Hand und erzählen gemeinsam die Geschichte der vier Frösche Lutz, Butz, Mats und Fratz, denen es viel zu heiß ist. Deshalb schwingen sie sich gemeinsam auf ihr Fahrrad, um an den Strand zu fahren: allerdings werden sie auf dem Weg dorthin von so vielen Verlockungen abgelenkt, daß sie erst abends am Meer ankommen. Macht aber nichts! Schwimmen im Mondschein ist ebenso schön.

Dies sind unsere liebsten Sommerbücher für Menschen von 3 bis 103 Jahren:

 

„Das Sonnen-Ei“ von Elsa Beskow, erschienen im Verlag Urachhaus: in diesem wunderschönen Bilderbuch der großen Schwedin findet eine kleine Elfe im Wald eine Apfelsine. Aber natürlich kennt keiner der Waldbewohner diese Frucht und so wird lange gerätselt, was es mit diesem „Sonnen-Ei“ wohl auf sich hat! Jeder hat so seine Theorie, doch am Ende finden sie dann doch heraus, was Köstliches unter der orangenen Schale steckt und die kleine Elfe darf sogar einen Winter in dem Land verbringen, in dem die Zitronen blühen.

„Annika“ von Elsa Beskow, erschienen im Verlag Urachhaus: die kleine Annika wird von ihrer Mutter gebeten, auf die Kuh Maja aufzupassen, die nicht durch das Loch im Zaun auf die Kleewiese der Nachbarn gehen darf und natürlich traut sich das patente Vorschulkind dies ohne weiteres zu. Unterwegs dorthin begegnen ihr allerhand Tiere und Menschen, die sie ablenken, aber sie vergisst ihren Auftrag nicht: dennoch kann sie natürlich nicht verhindern, daß die große Kuh ihr entwischt! Mit der Hilfe eines neu gewonnenen Freundes fängt sie Maja wieder ein und entdeckt sogleich, daß eine Zwergenfamilie für das Loch im Zaun verantwortlich ist! Sie erklärt den Wichteln die Lage und während der alte Wichtel den Zaun repariert, spielt Annika mit den Wichtelkindern im Sand. Am Ende kommt Annika nicht nur mit einem Eimerchen voller Walderdbeeren und einem neuen Holzlöffel heim, sondern auch mit vielen neuen Freunden und der Gewissheit, daß man nie zu klein ist, um etwas Gutes in der Welt zu bewirken.

„Das Blumenfest“ von Elsa Beskow, erschienen im Verlag Urachhaus: meiner Meinung nach das schönste Buch, welches zu Mittsommer vorgelesen oder gelesen werden kann! Die kleine Lisa wird von der Mittsommerfee zum Mittsommerfest der Blumen eingeladen und durch ihre Augen erleben wir, wie sich alle Gemüsepflanzen, Wiesenblumen, Waldblumen, Gartenblumen, die Blumen vom See und von der sumpfigen Wiese und sogar die Zimmerpflanzen zu diesem einmaligen Blumenfest zusammenfinden – und trotz Protesten dürfen letztendlich auch die „Unkraut“ genannten Wildkräuter mitfeiern. In einem Sängerstreit geben sechs Sänger ihre Lieder zum besten und selbstverständlich werden diese bei uns während dem Vorlesen auch immer gesungen: dabei ist es bis jetzt all meinen Kindern herzlich egal gewesen, daß diese Lieder jedes Mal völlig unterschiedliche Melodien haben! Sie LIEBEN dieses Buch einfach und versuchen immer, alle Blumen und Pflanzen zu bestimmen. Dieses Buch ist ein reiner Genuß für alle, die Pflanzen lieben!

„Das neugierige Fischlein“ von Elsa Beskow, erschienen im Verlag Urachhaus: Flitz ist ein kleiner Barsch, der in seinem See ein gemütliches Leben führen könnte, wenn er nicht so neugierig wäre! Diese Neugierde wird ihm trotz der Warnungen seiner Verwandten zum Verhängnis, als der kleine Junge Thomas ihn mit seiner Angel aus dem Wasser zieht. Und auch, wenn er Flitz „nur“ in einem Wasserglas in seinem Zimmer halten möchte, so ist die Gefangenschaft für den kleinen Barsch doch eine furchtbare Erfahrung. Zum Glück schaffen es seine Fischfreunde durch die Hilfe einer Froschfee, ihn zu befreien. Wie, wird natürlich nicht verraten. Nur so viel: die Bilder von der Rettungsaktion findet mein Sohn jedes Mal so komisch, daß wir sie immer und immer wieder anschauen müssen! Am Ende dieses schönen Buches lernt der kleine Thomas sogar schwimmen und alle sind sich einig: im kühlen Nass ist es doch am allerschönsten.

„Hänschen im Blaubeerenwald“ von Elsa Beskow, erschienen im Loewe Verlag: eines der allerersten Bilderbücher der großartigen Schwedin und auch eines der ersten Bücher, die vor 15 Jahren ihren Weg in unser Kinderbuchregal gefunden haben! Eigentlich schade, denn ein paar Jahre später hat der von mir sehr geliebte Verlag Urachhaus das Buch unter dem Titel „Lasse im Blaubeerland“ neu überarbeitet und mit viel schöneren Reimen auf den Markt gebracht: vielleicht gönnen wir uns dieses Buch ja doch noch eines Tages? Was in beiden Büchern gleich bleibt: die wundervoll phantasiereiche Geschichte des kleinen Jungen, der für seine Mutter Blaubeeren und Preiselbeeren sammeln möchte und dabei vom Blaubeerenkönig in sein Reich entführt wird. Dort erlebt er unvergeßlich schöne Stunden mit den Blaubeeren-Buben und den  Preiselbeeren-Mädchen und kehrt ganz erfüllt mit zwei vollen Beerenkörbchen zurück. Ein absoluter Klassiker!

„Ein lustiger Tag“ aus der Verlagsbuchhandlung Julius Breitschopf: ich LIEBE ja die historischen Reprints aus dem Hause Julius Breitschopf und dieses Sommerbuch ist eines der schönsten davon. Liese schleppt eines schönen Sommermorgens mit ihren drei Brüdern allerhand Spielzeuge in den Garten und sie verbringen dort einen unbeschwerten Tag: sie malern und gärtnern und waschen aus Spaß alles, was nicht rechtzeitig entkommen kann. Dann gibt es noch ein herrliches Beerenpicknick unter dem großen Sonnenschirm und sie wippen um die Wette: bis ein großer Wolkenbruch sie in das Haus zurücktreibt. Aber dort geht das lustige Spiel selbstverständlich weiter!

„Donnerwetter, was für ein Sommer!“ – Ein Abenteuer mit Matz, Fratz und Lisettchen von Kazuo Iwamura, gereimt von Rose Pflock, erschienen im Nord Süd Verlag: wir lieben ja die drei Eichhörnchen über alles … und auch die Geschichte über ein fulminantes Sommergewitter enttäuscht nicht. Matz, Fratz und Lisettchen spielen gerade so schön auf der Wippe, als dunkle Gewitterwolken aufziehen und es in Sekundenschnelle zu schütten beginnt. Wo sollen sie hin? Eine kleine Wurzelhöhle wird zu ihrem Unterschlupf, doch die war gar nicht leer: zwei Mäuschen wohnen dort und fürchten sich sehr vor den Eindringlingen! Noch bevor sie sich einander vorstellen können, kommt auch noch ein Kaninchen dazu und alle fühlen sich unwohl und fremd, so völlig durchnässt zusammen in dieser Höhle. Das Gewitter vor der Höhle tobt entsetzlich und treibt die sechs Tierkinder immer näher zusammen: und als die Sonne endlich wieder scheint, verlassen sie ihren Unterschlupf als Freunde und spielen den Rest des Tages gemeinsam. Eine wundervolle und wie immer meisterhaft illustrierte Geschichte darüber, daß Fremde gar nicht so fremd sind, wie es sich oft anfühlt: und daß aus Fremden ganz schnell Freunde werden können!

„Im Land der Nixen“ von Daniela Drescher, erschienen im Verlag Urachhaus: die Bücher von Daniela Drescher sind für mich immer reine Seelennahrung! Niemand kann opulentere Gemälde zaubern, die mich sofort direkt in das Bild hineinversetzen – was für eine Gabe! Und genau so ergeht es mir jedes Mal beim Vorlesen dieses wunderschönen Buches über die verschiedenen heimischen Wasserwesen an unseren Seen und Weihern: dort schwimmt man mit Nixen durch Unterwasserpflanzen, spricht mit Fröschen im sonnendurchtränkten Schwertliliendickicht, schaut Feen beim morgendlichen Wasserholen zu und träumt mit Nixen vom Meer. Eine Seite ist schöner als die andere: wir erleben einen Seerosenteich bei Nacht, dürfen auf Enten reiten und mit Karpfen schwimmen! Und am Ende sehen wir, wie sich die Wasserwesen auf den Winter vorbereiten: sie verlassen das kühlende Nass und kehren im Winter nur zum Schlittschuhlaufen zurück an den See! Hatte ich es doch geahnt! Ein herrlich erfrischendes Buch für heiße Sommertage!

 

 

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