Diese Woche jährt sich der Todestag unserer geliebten Glückskatze Feli: auf der einen Seite empfinde ich es als völlig surreal … war er nicht gestern erst, dieser furchtbare Tag, der uns unser geliebtes Katzenkind nahm und uns noch so lange in den Knochen steckte? Und auf der anderen Seite scheint es fast in einem anderen Leben gewesen zu sein: unsere Feli ist nur noch eine Erinnerung in unseren Herzen… ihr Grab ist überwuchert mit Pflanzen und es spielen zwei neue Katzenkinder in unserem Haus Fangen. So spielt das Leben. Und irgendwie ist es doch auch tröstlich, daß wir jetzt nicht mehr in Tränen ausbrechen, wenn wir an Feli denken. Daß wir mit Liebe an sie denken können, Fotos von ihr ansehen können und die furchtbare Trauer einer tiefen Dankbarkeit gewichen ist: wir sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihr hatten.

Aber wie schafft man es, Kinder in ihrer Trauer um das geliebte Haustier zu unterstützen? Ich erzähle heute einfach mal, wie es bei uns war: vielleicht kann ja die eine oder andere Anregung einer weiteren Familie in ihrer Trauer um ein geliebtes Tier helfen?

Felis Tod kam plötzlich – so plötzlich, daß mir fast die Luft wegblieb, als mir der Liebste das Unsagbare beibringen wollte, an diesem wunderschönen Freitag im Mai vergangenen Jahres. Es konnte nicht sein – es durfte nicht sein! Und doch war es so: unsere Feli lag tot am Straßenrand vor unserem Haus, überfahren. Auf den Schockmoment und das Nichtwahrhabenwollen folgte Aktionismus: was tun wir denn jetzt? Wir müssen etwas tun! Es war furchtbar. Ich barg den kleinen, geliebten Katzenkörper in meinen Armen und bat den Liebsten, ein Grab im Garten auszuheben. Von einer lieben Freundin, die ihren Kindern den Anblick der toten Katze ersparen wollte (sie vergrub sie heimlich, als die Kinder in der Schule waren, weil die Katze bei dem Unfall so furchtbar zugerichtet war und sagte den Kindern nur, daß die Katze „verschwunden“ war) und so das Leiden der Kinder nach eigener Aussage noch vermehrte (da sie immer hin- und hergerissen waren zwischen Hoffnung – vielleicht ist die Katze ja nur weggelaufen und kommt eines Tages wieder? – und Trauer), wußte ich, daß es besser ist, den Kindern die tote Hülle ihres Haustieres zu zeigen:  wenn ein Kind das tote Tier nicht selbst sieht, bleibt der Tod des geliebten Wesens einfach „ungreifbar“.  Also legte ich Feli in ihr Grab und bettete sie in so viele Fliederblüten, daß sie noch gut zu erkennen, die Spuren ihres tödlichen Unfalls aber nicht mehr zu sehen waren.

Was nun? Zu meinem großen Glück erreichte ich meine Herzensfreundin telefonisch und sie gab mir den wunderbaren Rat, die Trauer mit den Kindern im gemeinsamen schöpferischen Tun zu verarbeiten: ich könne doch Erinnerungssteine für Felis Grab mit den Kindern bemalen? Und ob wir das konnten: in solchen Momenten preise ich tatsächlich unseren gut ausgestatteten Bastelschrank, in dem sowohl Steine aus aller Herren Länder als auch geeignete Stifte vorhanden waren. Da der Bub zuhause und ich sowieso zu nichts anderem fähig war, setzten wir uns auf die Steinstufen vor unserem Haus in die Sonne, warteten auf die Mädchen, die ein paar Stunden später aus der Schule kommen sollten und bemalten Stein um Stein. Ich in Tränen aufgelöst, der Bub mit wissenschaftlichem Interesse: wo ist Feli jetzt? Bekommen wir eine neue Katze? Warum weinst Du, Mama? Darf ich den Blutfleck auf der Straße sehen? Die Nüchternheit eines Dreijährigen darf keinesfalls (wie es seine Schwestern später beinahe tun wollten – zum Glück konnte ich es ihnen erklären!) mit Gefühllosigkeit oder mangelnder Trauer gleichgesetzt werden: für Kinder in diesem Alter ist der Tod etwas völlig Natürliches. Das „Wechseln der Welten“ ist ihnen nicht fremd: sind sie doch selbst vor nicht allzu langer Zeit erst von der einen Seite zur anderen gewechselt! Der Tod schreckt Kinder diesen Alters nicht: die Übergänge vom Sterben zum Leben sind bei ihnen noch fließend und das ist gut und richtig so. Wir sollten sie deshalb also keinesfalls beeinflussen oder ihnen sagen, wie sie zu trauern haben: im Gegenteil! Wir können von ihrem Umgang mit dem Tod so viel lernen!

Da saßen wir also: malend, redend, weinend. Und ich alle zehn Minuten auf die Uhr schauend: den Augenblick herbeisehnend und gleichzeitig fürchtend, daß meine Mädchen aus dem Schulbus steigen würden und ich ihnen das Unfassbare sagen müsse. Wie gut war es, in diesen Stunden, tätig sein zu können. Malen zu können und malend bei Feli sein zu können.

Und dann kamen die Mädchen heim: nacheinander … so daß ich mit jeder einzelnen Zeit hatte, das Schreckliche zu besprechen, Feli in ihrem Grab liegend zu betrachten, Tränen zu trocknen, sie aufzufangen und mit ihnen malend über unsere Zeit mit Feli zu reden. Es war schrecklich. Und es war in all dem Schrecken schön: zu sehen, wieviel Liebe dieses kleine Tier in den sechs Monaten, die es bei uns sein durfte, in unser aller Leben gebracht hat. Wie sehr es geliebt wurde.

Als schließlich alle Kinder und meine Mama, die eine kleine Staude zum Bepflanzen des Grabes mitgebracht hatte, zuhause waren und malend den ersten Schock verarbeitet hatten, wurde es Zeit, Feli zu begraben: die Kinder durften aus dem Garten die allerschönsten Blumen und Blüten pflücken, um ihre Glückskatze damit zu bedecken – und das taten sie mit viel Liebe und Hingabe.

Dann durfte der Bub das Grab unseres Katzenkindes zuschaufeln, was er mit Begeisterung und Ausdauer tat.

Wir setzten einen einfachen Feldstein als Grabstein auf Felis Grab und meine Mama pflanzte eine Staude darauf – doch mit dem Setzen der Erinnerungssteine wollten wir warten, bis der Liebste nach Hause käme und auch einen Stein bemalt hätte. Also setzten wir uns wieder auf die Steinstufen und malten weiter: die Mädchen und die Oma weitere Steine und ich zwei Grabkerzen. Die eine für ihr Grab und die andere für die Stelle an der Straße, an der sie überfahren worden war.

Natürlich ließ mich der Gedanke nicht los, wer wohl unser geliebtes Katzenkind getötet hatte – ein quälender Gedanke. War es wirklich ein rücksichtsloser Raser gewesen, wie im ersten Moment hasserfüllt vermutet? Vielleicht war es ja auch ein ganz normaler, umsichtiger Autofahrer, den dieser Unfall noch lange beschäftigen würde? Wie hätte ich mich verhalten, wenn mir eine junge Katze unvermittelt vor´s Auto gesprungen wäre? Hätte ich an der nächsten Haustüre geklingelt, um die Besitzer ausfindig zu machen oder wäre ich auch einfach davongefahren? Ich weiß es nicht – und ich hoffe so sehr, nie einem Tier das Leben nehmen zu müssen. Dennoch hatte ich das Bedürfnis, an der Unfallstelle am Straßenrand ein Licht aufzustellen und eine Sonnenblume zu pflanzen – ein kleines Zeichen, um dem Autofahrer zu zeigen: diese Katze, die Du auf der Straße liegengelassen hast (denn wie wir später erfahren haben, lag Feli mitten auf der Hauptstraße und erst unser lieber alter Nachbar hat sie an den Rand auf das Gras gelegt) – sie wurde über alles geliebt. Sie war uns wichtig.

Dann kam endlich der Liebste heim: auch er bemalte einen Erinnerungsstein für unsere Feli und dann gingen wir alle gemeinsam an ihr Grab, um es mit all den Steinen, all den wunderschönen Erinnerungen an eine unvergeßlich schöne Zeit mit ihr, zu umrahmen.

Wir legten all die Steine rund um ihr Grab und zündeten die Kerze an. Viele Tränen wurden an diesem Abend noch geweint – und viele Erinnerungen ausgetauscht. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, so aufgewühlt war ich: also setzte ich mich an den Schreibtisch, um alle Bilder von Feli zu sichten und zu einem Fotobuch zu verarbeiten, das jedes Kind als kleines Erinnerungsbüchlein bekommen sollte.

Außerdem bestellte ich passende Bilder für die Schneekugelrahmen in Herzform, die schon länger im Geschenkeschrank auf einen Einsatz warteten: jetzt war er gekommen. Wir wollten die Erinnerung an unsere Glückskatze bewahren und dabei helfen Fotoalben und Fotorahmen wunderbar.

Coco bestand jeden Abend darauf, Felis Kerzen anzuzünden: noch lange, lange Zeit!

Da unsere Feli am Freitag vor den Pfingstferien gestorben ist, hatten wir viel, viel Zeit, unserer Trauer Raum zu geben: das führte dazu, daß unser Pfngstfest 2018 tränenreich und ruhig war. Auf unserer Pfingstwanderung schnitzte ich ein Kreuz für Felis Grab.

Da es uns immer wieder so traurig machte, über Felis Spielzeug und ihre wenigen Habseligkeiten in unserem Hause zu stolpern, gestaltete Clara auf eine liebe Empfehlung hin eine Erinnerungskiste, in die alles kam, was wir nun nicht mehr brauchten: Felis Impfpass, ihre Bürste, ihr Spielzeug. Und ganz viel Gefühl.

Ich bin unendlich froh, daß unsere Kinder ihre Gefühle so gut ausdrücken können: sei es künstlerisch oder in Worten. Ich glaube tatsächlich, daß das Wichtigste in der Trauerbegleitung von Kindern ist, ihnen zu helfen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Auf welche Weise das dann geschieht, ist völlig zweitrangig . Aber Kinder, die trauern, sollten erfahren, daß diese Gefühle gut und wichtig sind. Niemand sollte aufgefordert werden, doch mit dem Weinen aufzuhören oder mal wieder zu lachen. Jeder Mensch trauert auf seine einzigartige Weise – und die ist für ihn gut und richtig.

Wir haben unsere Feli nicht vergessen. Und doch ist nach ein paar Monaten wieder eine Normalität eingekehrt, die gut tut. Unsere neuen Katzen sollten kein „Ersatz“ für Feli sein, weswegen wir auch sieben Monate damit gewartet haben und nicht sofort ein neues Tier in´s Haus geholt haben. Denn Trauer – so vielfältig sie sich auch zeigen mag – braucht vor allem eines: Zeit. Zeit, sich zu entfalten. Zeit, den Schmerz zu spüren. Und Zeit, zu heilen.

6 Kommentare
  1. Carmen sagte:

    Liebe Uta,
    letzte Woche mussten auch wir unser geliebtes Katzenkind beerdigen, es hat leider das gleiche Schicksal ereilt wie euere Feli (es durfte auch nur 7 Monate bei uns sein). Ich habe mich dann an deine traurigen Instagram Einträge vom letzten Jahr erinnert und auch wir haben einige deiner Ideen umgesetzt. Unser Fotoalbum ist momentan ständig im Einsatz, um sich an die schöne Zeit mit ihm gemeinsam zu erinnern.
    Vielen lieben Dank dafür.
    Liebe Grüße

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    • Uta sagte:

      Liebe Carmen!
      Oh, wie leid mir das für Euch tut 😔 Ich hoffe, meine Anregungen konnten wenigstens etwas helfen. Ganz viel Liebe für Euch und Euren kleinen Kater im Himmel ❤️
      Fühlt Euch umarmt von Uta

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  2. Katrin sagte:

    Ja, der Tod eines geliebten Tieres ist wirklich furchtbar. Und bei Euch war das ja auch total plötzlich. Unsere Hundedame mussten wir damals einschläfern lassen, da konnten wir schon im Vorfeld mit den Kinder über Tod und Trauer sprechen und haben uns auch viel Gedanken darüber gemacht. Ihr habt das wundervoll gemeistert, Eure Feli sitzt auf ihrer Wolke und hat Euch liebevoll dabei zugesehen.
    Übrigens, zwecks den Rehkitzen die Du gefunden hast, bei uns in der Gegend hat ein Drohnenbesitzer nach Mitstreitern gesucht die ihm helfen Wiesen vor dem Mähen abzufliegen und zu kontrollieren. Macht er auch noch gratis. Finde ich echt Mal ne sinnvolle Sache bezüglich Drohnen.
    Herzliche Grüße, Katrin

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    • Uta sagte:

      Liebe Katrin!
      Danke für Deine lieben Worte zu meinem Blogpost! Und herzlichen Dank für die Information bezüglich der Drohnen: DAS wäre tatsächlich mal eine sinnvolle Nutzung!
      Liebe Grüße von Uta

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  3. Andrea sagte:

    Liebe Uta, jetz sitz ich hier, total verheult und bewegt durch deine schönen Worte… Es ist schön zu sehen wie ihr euch Zeit genommen habt um abschied zu nehmen. Ich war auch damals wo es passiert ist fassungslos und es tat mir im herz weh (und gleizeitig war es irgendwie schön zu sehen) wie ihr um feli trauert. Ich möchte mich bedanken für deine bereitschaft über dieses Thema zu sprechen, es ist so wichtig… Liebe Grüsse

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    • Uta sagte:

      Liebe Andrea!
      Danke für Deine ermunternden Worte: über solche „Randthemen“ zu schreiben, bringt natürlich nicht so viel Rückmeldungen wie ein tolles Brotrezept … aber wie Du ja schreibst – es ist ein sooo wichtiges Thema, das mir wirklich am Herzen liegt. Der Tod darf kein Tabuthema sein!
      Fühl Dich mal ganz feste umarmt von
      Uta

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