Wenn wir uns wünschen, daß unsere Kinder die Natur und unsere Erde mit all ihren Wundern lieben und schützen, dann sollten wir ihnen diese Wunder auch zeigen. Denn nur, was man kennt, kann man lieben und nur was man liebt, möchte man bewahren. Aus diesem Grunde habe ich diese Woche mit meinem Sohn an dessen kindergartenfreien Tag einen kleinen Ausflug unternommen: in den Märzenbecherwald von Algersdorf.

Wenn man diese zauberhafte alte Fachwerkscheune sieht, kann man sich, sofern man mit dem Auto gekommen ist, einfach rechts an die Straße stellen: denn Algersdorf ist winzig und ausgewiesene Parkflächen sucht man vergebens. Zum Glück sucht man die Märzenbecher nicht vergebens! Mitten im Ort, auf der kleinen Brücke, befindet sich schon das erste Hinweisschild, dem wir bergauf folgen.

Nach etwa 500 m steilem Anstieg auf der kleinen Straße biegt man links ab, immer den roten Zeichen des Fränkischen Gebirgswanderweges folgend. Auf der Wiese geht es immer geradeaus und wenn Ihr linker Hand Burg Hohenstein erblickt, seid Ihr genau richtig.

Ihr lauft jetzt geradewegs auf den Märzenbecherwald zu und wenn Ihr am Waldrand angekommen seid, geht Ihr noch einige Meter rechts am Wald entlang und schon erstreckt sich zu Eurer Linken das größte Vorkommen der Frühlingsknotenblume im Landkreis Nürnberger Land. 1,5 Hektar groß ist das ausgewiesene Naturdenkmal und es versteht sich von selbst, daß wir keinem einzigen Märzenbecher schaden. Wenn Ihr mit Kindern unterwegs seid, dann besprecht das unbedingt vorher mit ihnen: es ist absolut verboten, Märzenbecher zu pflücken, auszugraben oder niederzutrampeln. Wie ich bei meinem Fünfjährigen sehen durfte, haben Kinder aber selbst ein ganz feines Gespür dafür, an welch wunderbarem Ort sie da sind.

Ehrfurchtsvoll hat er die Märzenbecher gestreichelt und ich glaube, er war ebenso verzaubert von den zarten Frühlingsblumen wie ich.

Es führt ein kleiner Trampelpfad durch die herrliche Pracht: und da wir alleine im Märzenbecherwald waren, konnten wir Rehe beobachten und ein Bächlein glucksen hören.

Wir haben uns ganz viel Zeit genommen, die unter Naturschutz stehenden Pflanzen zu betrachten, Moos zu streicheln und die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut zu genießen: welch eine Wohltat nach einem dunklen Winter!

Danach gab es noch ein kleines Picknick hoch über dem Märzenbechermeer und dann haben wir ganz erfüllt den Heimweg angetreten.

Wenn man schon einmal in Algersdorf ist, dann lohnt sich auch ein Blick in die bilderbuchschöne Umgebung: zum Beispiel auf das wunderschöne, kleine Steinensittenbach, welches auf Fränkisch „Staabo“ heißt.

Der Märzenbecherwald von Algersdorf ist aber nicht der einzige in Franken: vor einigen Jahren waren wir auch schon im Märzenbecherwald bei Ettenstadt, im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Dieser bereits 1988 zum Naturschutzgebiet erklärte Märzenbecherwald ist sogar 12,4 Hektar groß!

Ausgewiesene Pfade laden zu einem kleinen Spaziergang durch das hügelige Waldgebiet ein – und auch hier ist die üppig wachsende Märzenbecherpracht selbstverständlich geschützt.

Die Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum), auch Märzenbecher, Märzbecher, Märzglöckchen oder großes Schneeglöckchen genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Amaryllisgewächse und gilt nach der Bundesartenschutzverordnung als besonders geschützt und nach der Roten Liste als gefährdet.

Wenn Ihr in Franken wohnt, lohnt sich dieser Tage also ein Ausflug in einen der beiden zauberhaften Märzenbecherwälder!

Und wenn nicht, dann schaut doch mal, ob es nicht in Eurer Nähe auch ein größeres Vorkommen dieser zauberhaften Frühlingsblume gibt. Dazu gebt Ihr einfach die Schlagwörter „Märzenbecher“ und Euer Bundesland oder die nächstgrößere Stadt in Eure (hoffentlich ökologisch korrekte) Suchmaschine ein und laßt Euch überraschen: manchmal sind die Märzenbecher näher als man denkt.

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2 Kommentare
  1. Hilke sagte:

    Liebe Uta, was für ein wundervoller Bericht ist das über die Märzenbecher!! So etwas habe ich noch nicht gesehen. Ich kenne die Märzenbecher nur aus dem Garten. In meinem blühen auch ein paar. Aber die Bericht hat mich an ein Erlebnis ähnlicher Art erinnert, das ich vor vielen Jahrzehnten hatte. Ich habe ein Praktikum in Stetten im Remstal gemacht, in der Nähe von Stuttgart. Und dort habe ich auf einem Spaziergang eine ganze Wiese voller Himmelsschlüsselchen entdeckt. Ich kannte das gar nicht und musste erst jemanden finden, der mir gesagt hat, was für Blümchen das waren. Ja, solche Erlebnisse sind eine Quelle des Glücks für das ganze Leben!! Liebe Grüße, Hilke

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    • Uta sagte:

      Liebe Hilke!
      Oh, ja – da hast Du sooo Recht! Das sind wirklich Glücksmomente, die wir ganz tief in der Seele speichern können! Und was für ein schönes Wort sind „Himmelsschlüsselchen“ – so kenne ich sie auch aus meiner schwäbischen Heimat! Wieviel mehr Poesie steckt darin als in „Schlüsselblumen“.
      Ganz liebe Grüße von Uta

      Antworten

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